Theres Roth-Hunkeler

Fotografie: Privat

Theres Roth-Hunkeler: «Ich bin auf einem Bauernhof in einem winzigen Dorf in einer Grossfamilie mit komplizierter Konstruktion aufgewachsen. Dadurch habe ich sehr früh das Lesen und bald auch das Schreiben als Stillbeschäftigung entdeckt. Für kurze Zeit war ich Lehrerin und für immer Mutter von drei Kindern. Lange habe ich als Journalistin und in der Weiterbildung Erwachsener gearbeitet, später als Dozentin an der Hochschule der Künste in Bern und in Biel am Schweizerischen Literaturinstitut. Seit 1992 sind acht Romane erschienen, zuletzt «Damentour», daneben auch Erzählungen und Essays in Anthologien und Zeitschriften. Bis heute bin ich im Schreiben, Lesen und der Literaturvermittlung (Lesezirkel und Literaturveranstaltung) verankert.»

Welche drei eingewanderte Wörter verwenden Sie selbst häufig - oder finden Sie einfach hip?
Bizarr. Familie. Tollpatsch: Eine perfekte Drei-Wort-Geschichte.

Lesen oder Schreiben? Was ist Ihnen wichtiger?
Lesen, es ist leichter und es bringt mich sehr oft selbst zum Schreiben. 

Ihre Vorbilder in der Geschichte - und in der Gegenwart?
Die Dichterin Christine Lavant, aus ärmsten Verhältnissen stammend, die auch durch Stricken ihr Leben und jenes ihres Ehemannes verdiente. Und jetzt sozusagen als Nachbilder die beiden Literaturwissenschaftlerinnen Nadja Brügger und Valerie Katharina Meyer, die in ihrem Buch «Widerstand und Übermut» dem Werk Schweizer Schriftstellerinnen der 70er Jahre eine Bühne geben.

Ihr Lieblingsedelstein?
Ich habe keinen Bezug zu Edelsteinen. Sie gehören für mich zu den Märchen. Das Wort «Firlefanz» hingegen mag ich sehr. Und beim echten Gestein sind es  Granit, Gneis und Glimmerschiefer. 

Haben Sie ein Lieblingswort?
Ja, aber das wechselt. Eine alte Liebe ist tatsächlich das Wort «Wort». Weil es ein Ort für alle Wörter ist.

Auf welche Qualitäten sind Sie stolz?
Auf «das erzählende Wesen von Frauenfreundschaften» - zitiert nach Elena Ferrante in ihren Poetikvorlesungen «An den Rändern».

Welches Talent hätten Sie gerne?
Zeichnen und malen zu können. Nur schon deshalb, weil ich an heftigem Materialneid leide, wenn ich Ateliers von Künstler:innen betrete. 

Wenn Sie ein Lebensmittel wären: Welches wären Sie?
Brot, gerne ein Sauerteigbrot. 

Sie haben einen Wunsch frei, wen Sie treffen möchten: Wer wäre es und warum?
Die Schriftstellerin Marlen Haushofer, weil ihre Bücher mich als junge Frau überwältigt haben und mich bis heute beschäftigen. Und vielleicht auch, weil sie tot ist. Würde ich einen lebenden  Menschen nennen, könnte es ja sein, dass es zufällig zu einer Begegnung käme, und ich weiss, ich wäre dann so verlegen, dass es mir die Sprache verschlagen würde. 

Welches Buch müssen wir aktuell lesen?
Schwierige Frage. Hauptsache, Menschen lesen überhaupt Bücher. Dennoch: Katrin Zipse erzählt in «Moosland» von jungen Frauen, die nach dem Krieg aus Deutschland nach Island ausgewandert sind, in abgelegenste Gebiete der ihr völlig unbekannten Insel im Nordatlantik, ohne Sprachkenntnisse, ohne Vorstellung, was sie erwartete. Oder, besser natürlich: Lena Gorelik, «Alle meine Mütter» Die Autorin beleuchtet die verschiedenen Formen von Mutterschaft und sagt, weshalb wir beim Thema Mütter alle Expert:innen sind!