Ralf Schlatter
Fotografie: Nici Jost
Ralf Schlatter, *1971 in Schaffhausen, ist freier Autor und Kabarettist. Nach dem Studium von Geschichte und Germanistik in Zürich und Spanien sammelte er Bühnenerfahrung als Slam-Poet, war 2001 deutscher Vize-Champion. Seit 2000 ist er mit Anna-Katharina Rickert als «schön&gut» unterwegs, mit poetischem und politischem Kabarett, ausgezeichnet mit dem Salzburger Stier, dem Schweizer Kabarettpreis Cornichon und dem Schweizer Kleinkunstpreis, zur Zeit zu sehen mit ihrem siebten Stück «Unter freiem Himmel». Als Autor hat er u.a. die Romane «Federseel», «Steingrubers Jahr» und «Muttertag» publiziert, den Erzählband «Verzettelt», den Lyrikband «König der Welt» und aktuell «Die 7 ½ Leben des Paul Ungewitter». Für Radio SRF 1 schrieb er Hörspiele und erzählte zehn Jahre lang «Morgengeschichten». Ralf Schlatter lebt mit seiner Frau Ruth Grünenfelder* in Rifferswil im Kanton Zürich.
*Anmerkung der libraria poesia clozza: Das ist nicht unsere Mitarbeiterin, die ebenfall Ruth Grünenfelder heisst ;-)
Welche drei eingewanderte Wörter verwenden Sie selbst häufig - oder finden Sie einfach hip?
Loipe, weil Langlaufen seit meiner Kindheit meine liebste Bewegung ist.
Putsch, weil ich angesichts der Zustände nicht übel Lust hätte, einen zu lancieren.
Schlawiner, weil ich dann wüsste, wie es ist, wirklich einer zu sein.
Worüber konnten Sie kürzlich herzhaft lachen?
Über die Geschichte eines Bekannten, der - neu im Dorf - von einem Alteingesessenen gefragt wurde: Bist du Schütze? Und er gab zur Antwort: Nein, Jungfrau.
Wo sitzen Sie lieber: auf der Bühne oder im Parkett?
Auf der Bühne, wobei ich da meistens stehe. Es gibt für mich nichts Schöneres, als mit Haut, Haar und Seele im Moment und in einer Geschichte zu sein.
Welche Romanfigur begeistert Sie?
Immer wieder, tief drin, der Taugenichts, der sorglos und fiedelnd übers Land zieht.
Ihr gegenwärtiger Geisteszustand?
Offen, wach, verspielt.
Was packen Sie immer in Ihren Koffer ein?
Ein rotes Glarner-Tüechli, mein Notizbuch und ein Kreuzworträtsel aus dem ZEIT-Magazin.
Ihr Lieblingsgeruch?
Der Rhein und Zimt und Jelängerjelieber.
In welchen Situationen lügen Sie?
Bei der Dentalhygienikerin, wenn sie fragt, wie oft ich Zahnseide benütze. Und bei dieser Frage, wenn ich so tue, als wäre das die einzige Situation.
Sie haben einen Wunsch frei, wen Sie treffen möchten: Wer wäre es und warum?
Meinen Onkel Ernst Schlatter, der auch geschrieben hat, auch über unsere Familie, aber leider vor 16 Jahren aus dem Leben ging. Er lebte im Nachbardorf vom Ort, wo ich seit kurzem wohne. Wir hätten viel zu besprechen.
Welches Buch müssen wir aktuell lesen?
Immer wieder Markus Werner. Zum Trost, zur Versöhnung mit den menschlichen Unzulänglichkeiten, aus Liebe zur sorgfältigen Sprache und zum hintersinnigen Humor.