Leta Semadeni
Fotografie © Julien Chavaillaz
Leta Semadeni wird uns die Neuauflage von «Tamangur» Donnerstag, 5. März 2026 in einem Gespräch mit der Verlegerin Daniela Koch in der libraria poesia clozza vorstellen. Eine wunderbare Gelegenheit, das Buch wieder zur Hand zu nehmen, oder wie es Usama al Shamani in seiner Würdigung schreibt: «Es ist ein Buch, das man nicht einfach liest, sondern man betritt es: leise, vorsichtig, wie einen Raum, in dem jedes Geräusch zählt.»
Leta Semadeni wuchs in Scuol auf, ist eine Schweizer Poetin und Erzählerin, die im rätoromanischen Idiom Vallader und vor allem auf Deutsch schreibt und publiziert. Die Matura erlangte sie am Hochalpinen Töchterinstitut in Ftan, studierte Sprachen und unterrichtete philologische Fächer in Zürich und im Engadin. Bei Radio Televisiun Rumantscha arbeitete sie in der Sendung «Il balcun tort» und bei Radio DRS als freie Mitarbeiterin. Sie lebt in Lavin und gilt als eine der renommiertesten Vertreterinnen der rätoromanischen und deutschsprachigen Lyrik und Erzählkunst der Gegenwart. 2016 wurde sie mit dem Schweizer Literaturpreis und 2023 mit dem Schweizer Grand Prix Literatur vom Bundesamt für Kultur ausgezeichnet.
Welche drei versunkene Wörter sollten wir wieder vermehrt verwenden? Was gefällt Ihnen daran?
lustwandeln: Ich lese das Wort, und schon bin ich tiefenentspannt und sehe mich lustwandeln durch eine Margeritenwiese.
sapperlot: Das Wort erinnert mich an einen Lehrer aus meiner Kindheit. Er benutzte dieses Wort als Lob, und er lobte immer.
Liebelei: Dieses Wort hat Flügel und riecht nach Frühling.
Berg oder Tal. Was ist Ihnen Wichtiger?
Beide, denn ohne Berg kein Tal und ohne Tal kein Berg.
Was vermissen Sie im Engadin?
Das Anderswo. Und wenn ich anderswo bin, habe ich Heimweh nach dem Engadin. Zusammengefasst: Ich gehe gerne auf Reisen und kehre immer wieder gerne nach Hause zurück. Dort, wo ich gerade bin, ist es (fast) immer am schönsten.
Auf welche Ihrer Qualitäten sind Sie stolz?
Stolz empfinde ich für keine meiner Qualitäten, aber ich bin unendlich dankbar, dass meine Eltern mich mit Eigenschaften ausgestattet haben, die es mir erlauben, jeden Tag mindestens eine neue Entdeckung zu machen.
Ihr Lieblingsessen?
Ich habe kein Lieblingsessen, esse alles gern, wenn es gut gemacht ist.
Ihr Lieblingswort?
Je nachdem in welchem Umfeld sich ein Wort befindet, ändert es seine Farbe, seinen Geruch und seine Bedeutung, darum kann ich diese Frage nicht beant-worten - höchstens so: Jedes Wort ist mein Lieblingsort.
Was schätzen Sie an Ihren Freunden am meisten?
Das ist abhängig von der Person. Wichtig ist mir allgemein Verbindlichkeit.
Welches Talent hätten Sie gerne?
Organisationstalent!
Sie haben einen Wunsch frei, wen Sie treffen möchten: Wer wäre es und warum?
Weil ich neugierig bin, würde ich gerne meine Eltern treffen, als sie frisch verheiratet waren und noch keine Kinder hatten.
Welches Buch müssen wir aktuell lesen?
Vielleicht das Buch, das ich gerade selber lese, über mein Lieblingstier, das uns Menschen so unheimlich ähnlich ist: "Schweine" - ein Portrait von Thomas Macho.