Marlene Halter
Fotografie © Aita Puorger
Marlene Halter hat diese Saison als landwirtschaftliche Mitarbeiterin auf dem Biohof Chavalatsch in Scuol gearbeitet. Das Bauern war schon ein Kindheits-traum, aber zunächst hatten sich andere Interessen vorgedrängt: Nach dem Germanistikstudium und journalistischer Arbeit lockte es sie in die Küche. Sie absolvierte eine Kochlehre, arbeitete in verschiedenen Restaurants als Köchin und eröffnete 2016 ihr eigenes Restaurant «Metzg» mit integrierter Spezialitätenmetzgerei in Zürich. Nach sieben florierenden Jahren schloss sie es, um den Landwirtschafts-Traum zu wagen und machte die Nebenerwerbs-ausbildung zur Landwirtin. Nun sucht sie einen eigenen kleinen Hof zur Bewirtschaftung im Nebenerwerb.
Welche drei versunkene Wörter sollten wir wieder vermehrt verwenden? Und weshalb?
Fisimatenten, Luftikus und Vagabund: Ich vergesse vor lauter Alltag und Arbeit manchmal selbst das Leichte, Luftige, Lustige. Dabei ist es so wichtig und tut mir immens gut, immer wieder aus der Ernsthaftigkeit zu schlüpfen.
Ihre liebste Tageszeit?
Das kann ich nicht entscheiden. In der Gastronomie liebte ich es, bis Mitternacht Vollgas zu geben, dann langsam runterzukommen und nach Hause zu kehren, wenn die meisten schon schlafen. Aber ich mag es auch, frühmorgens aus dem Haus zu gehen, in die Ruhe und Unverbrauchtheit eines beginnenden Tages.
Welches ist Ihr Lieblingsgemüse?
Keines oder fast alle. Für meinen Genuss zählt die Qualität eines Gemüses, und wie es zubereitet und kombiniert ist.
Was war das Schönste und was das Anspruchvollste bei der Arbeit auf dem Biohof Chavalatsch?
Das Schönste für mich war das Zäunen in den steilen, teils mit Sträuchern und Bäumen durchsetzten wilden Weiden. Am schwersten zu ertragen waren für mich die kalten Hände, wenn man bei frischen Temperaturen frühmorgens Salat erntet und jeden einzeln zum Waschen ins kalte Wasser tunken muss.
Was nehmen Sie als Erinnerung an Scuol mit?
Meine Hassliebe zum Stradun, der Scuoler Ladenstrasse. Einerseits finde ich sie raumplanerisch, fussgängertechnisch und achitektonisch denkwürdig misslungen. Anderseits bekam ich sie lieb, weil ich tolle Geschäfte und die Menschen dahinter erlebte: Arena Tech, Bio Betschla, Marco Sport, die Apotheke und natürlich die Libraria. Das bestätigt mir, dass man Vieles gern bekommen kann, wenn man eine Verbindung aufbaut.
Was ist Ihr wertvollster Besitz?
Emotional sind mir die Bilder in meiner Wohnung wertvoll. Aber für meinen praktischen Alltag am wertvollsten ist wohl mein Handy.
Ihr beste Eigenschaft?
Ich glaube, mein Humor ist gut.
Wie entspannen Sie am besten?
In Bewegung an der frischen Luft.
Ihre Vorstellung von Glück?
Alleine in der Natur unterwegs sein, mit ganz wachen Sinnen und wohl in meinem Körper.
Wenn Sie eine Sache auf der Welt verändern könnten: Was wäre das?
Vielleicht den Hunger auf der Welt ausmerzen. Ich schäme mich für die Menschheit, dass wir dieses Problem nicht im Griff haben, obwohl die Mittel da wären.
Welches Buch müssen wir aktuell lesen?
Die Graphic Novel «Fleischeslust» von Martin Oesch. Der Comic erzählt auf berührende und witzige Art, wie Metzgermeister Erwin, der vor seiner Pensionierung steht und eine Nachfolge für sein Geschäft sucht, über den Wandel seines Metiers nachdenkt und seiner Frau wieder näher kommt.
Martin Oesch
«Fleischeslust»
Graphic Novel
Nachwort von Marlene Halter
200 Seiten, kartoniert
Edition Moderne
Fr. 37.00
ISBN 978-3-03731-282-7