Gabrielle Susan Rüetschi 2026
Fotografie © Fadrina Hofmann
Porträt Gabrielle Susan Rüetschi: «Geboren in Montreal, Schuljahre in Nussbaumen und Baden, Lehrerinnenausbildung (Seminar im Kloster Wettingen, ein herrlich inspirierender Ort - auch Schreibort - in wichtigen Jahren meines Erwachsenwerdens), erstes Arbeitsjahr als Klassenlehrerin in zweiklassiger Sekundarschule, danach brauchte ich gleich die Entschleunigung einer langen Norwegenreise, bis ich in Paris ein Jahr Französisch-Studium anhängte. Nach weiteren inneren und äusseren Reisen zurück zum Schulunterricht in der Schweiz, einem Part-Time Germanistikstudium ohne Abschluss - schlussendlich wurde ich Atem- und Bewegungstherapeutin und Familienfrau, was lange Jahre meinen Alltag komplett ausfüllte. Vieles trat in den Hintergrund, bis ich mich 2016 erinnerte, wieviel Leidenschaft für das Schreiben nach wie vor vorhanden war, und ich beschloss, dem wieder – nun endlich! – Raum zu geben»
Welche drei versunkene Wörter sollten wir wieder vermehrt verwenden? Was gefällt Ihnen daran?
Afrös, flattieren, Cochonnerie. Ich stelle fest: sie sind alle französischen Ursprungs und enthalten für mich im Gegensatz zu den deutschen Pendants ein Augenzwinkern, was mir gefällt. Abgesehen davon: wenn ich diese Liste lese, muss ich feststellen: ich lebe schon länger. Mir sind einige davon aus meiner Vegangenheit noch sehr vertraut: Backfisch, Chambre séparée, hanebüchen, Fidibus, Gängelband, hanebüchern, usw. bis Zetermordio.
Was gönnen Sie sich nach einem intensiven Arbeitstag?
Einen alkoholfreien Apéro und vielleicht etwas tanzbare Musik aus dem Radio.
Was war Ihre beste Entscheidung?
Kinder zu haben – und doch noch zurück zum Schreiben zu finden!
Wie entspannen Sie am besten?
Indem ich mich auf meine Gymnastikmatte lege und in mich lausche, wonach denn mein Körper, das Haus meiner Seele, dürstet – die Antwort kommt meist spontan in Form von lösender Bewegung.
In welchen Situationen lügen Sie?
Ich kann durchaus notlügen, wenn mir eine Sache zu nahe geht und/oder ich Verletzung fürchte.
Glauben Sie an Freundschaft?
Oh ja, unbedingt, sie ist kostbar… wenn es sie nicht gäbe, wäre die Welt um einiges ärmer.
Schreiben Sie einen Gedanken auf oder ein Zitat, dem Sie zustimmen.
«There is a crack in everything. That’s where the light gets in.» Leonhard Cohen
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Glück ist immer vollkommen, aber nur im Funken des Augenblicks, wo ich es sehe. Dann muss ich alles Andere, Nicht-Glückliche ausblenden und nur für diesen Moment da sein. Das ist wohl keine Antwort auf die Frage – oder doch: es ist vollkommen, wenn ich es entdecke, und es ist überall zu finden… Es ist eher eine Einladung, das Glück wahrzunehmen, als eine Antwort, wo es zu finden ist.
Ihr Lieblingsbaum, -blume, -farbe, -vogel?
Diese «Lieblings..»-fragen, eigentlich weiche ich ihnen am liebsten aus. Ich bin wohl zu beweglich dafür, bei mir ändert das immer mal wieder, je nach aktuellem Erleben. Trotzdem:
-baum: die Lärche in ihrer Veränderbarkeit und Grazie (machmal auch der Culaischem, der Vogelbeerbaum, besonders mein oft besuchter ob Chavalatsch in Scuol, oder die Arve, wenn sie mich mit ihrer Rindenfarbe und ihrem Duft betört)
-blume: die Christrose, eine herbe Blume, aber so unglaublich stark und schön zugleich. Und das Wollgras mit seinem sphärischen Wuschelkopf auf dem biegsamen Stängel
-farbe: immer wieder in den vielen Schattierungen des Inns: das Türkis
-vogel: der Adler – jedes Mal ein tief berührendes Geschenk, wenn ich seinen Flug beobachten kann
Welches Buch müssen wir aktuell lesen?
«Pakt mit dem Feuer. Philosophie eines weltverändernden Bundes» von Jens Soentgen. Anmerkung: Titel ist momentan leider vergriffen und nicht mehr lieferbar.