Flurin Filli

Fotografie: Schweizerischer Nationalpark

Flurin Filli: «1961 in Scuol geboren und aufgewachsen. Lange konnte ich mich nicht zwischen Musik und Natur entscheiden. Schliesslich habe ich in Zürich Zoologie studiert und später in München an der TU promoviert. 33 Jahre habe ich beim Schweizerischen Nationalpark in verschiedenen Funktionen gearbeitet. Meine Leidenschaft für die Natur, Jagd und Hunde hat immer mehr Platz eingenommen. In Hinblick auf meine Pensionierung habe ich viele Projekte und Aufgaben. Die Agenda ist schon voll.»

 

Am Samstag, 12. Dezember 2026 stellt uns Flurin Filli sein Werk «Der Steinbock, Leben auf schmalem Grat» vor samt Gespräch mit Ludwig Hatecke.

 

Welche drei «Eingewanderte Wörter von Anorak bis Zombie» verwenden Sie selbst häufig - oder finden Sie einfach hip?
Hängematte: man sollte sich mehr Zeit für Musse nehmen.
Horde: weil meiner Meinung nach zu viele nicht so wilde Menschen in der Natur rumlaufen.
Palaver: heute haben wir zu viel Palaver zu wenig fundierte Meinung.
 
Wo sitzen Sie lieber: auf einem Hochsitz oder am Atlantik?
Hochsitz, da ist man alleine.

Welches Laster entschuldigen Sie?
Ich urteile nicht über die Laster der anderen.

Was war Ihr unheimlichstes Erlebnis im Nationalpark?
Das war am Ostersamstag 2013 als ein Mitarbeiter der Kraftwerke aus Versehen den Grundablass der Staumauer Punt dall Gall am Rande des Nationalparks geöffnet hatte. Der Spöl hat ausgesehen wie mit Fliessbeton übergossen. Das sah unheimlich aus und überall lagen tote Fische. Anschliessend musste der Spöl gespült und von den Sedimenten befreit werden. Der Spöl hat sich wieder regeneriert. Das Ausmass des Unfalls war jedoch sichtbar. Später beim PCB-Unfall hat man nichts gesehen. Zu wissen, dass dieser Bach voll mit einem nicht abbaubaren Gift ist, macht ein komisches Bauchgefühl.

Was betrachten Sie als Ihre grösste Leistung?
Unsere Gesellschaft krankt daran, dass sie oberflächliche Leistungen zu hoch wertet. Nicht alle haben die Möglichkeit Olympiasieger oder Nobelpreisträger zu werden. Wichtig ist, dass jedes Mitglied unserer Gesellschaft nach seinen Möglichkeiten bescheiden das Beste für sich, seine Mitmenschen und seine Umwelt tut. Ich habe versucht dies zu schaffen.

Bei welchem Ereignis der Geschichte wären Sie gern dabei gewesen?
Bei der Afterparty vom Rütlischwur. Die Geburtsstunde der Eidgenossenschaft ist sicher mit einem Gelage, genügend Bier und Spanferkel gefeiert worden.

Sie haben einen Wunsch frei, wen Sie treffen möchten: Wer wäre es und warum?
Meinen Grossvater den ich nie kennengelernt habe. Es wäre interessant mit ihm über Musik zu reden und ihn sein Kornett, das wir restauriert haben, spielen zu lassen.

Ihr gegenwärtiger Geisteszustand?
Erwartungsvoll.

Worin sind Sie am Geschicktesten?
Kompliziertes einfach erklären.

Welches Buch müssen wir aktuell lesen?
Eileen Crist’s Buch «Schöpfung ohne Krone». (Anmerkung Simone Nuber: gibt es leider nur noch als E-Book oder antiquarisch). Es beschäftigt sich mit den Wurzeln der ökologischen Krise. Crist zeigt, dass die Lösung der Krise nicht so einfach ist wie oft gedacht.