Moosland von Katrin Zipse

Roman

Buchbesprechung von Andrea: «Moosland» von Katrin Zipse

Island, 1949: Elsa gehört zu rund dreihundert jungen deutschen Frauen, die einem Aufruf der isländischen Bauernpartei folgen, um auf Höfen zu arbeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlen vielerorts Frauen, denn viele Isländerinnen sind mit den abziehenden amerikanischen Soldaten in die Staaten ausgewandert oder in die Städte gezogen.
Traumatisiert und gezeichnet von Krieg und Verlust kommt Elsa ohne Sprachkenntnisse auf einem abgelegenen Hof an. Sie ist verschlossen, spricht kaum und die harte Arbeit verlangt ihr alles ab. Nach und nach erarbeitet sie sich Anerkennung der Bäuerin und der Männer. Nur die Briefe von Gerda, mit der sie auf dem Schiff war und auf einem anderen Hof, unerreichbar weit weg lebt, schenken ihr ein Gefühl von Nähe.Mit Elsa verändert sich auch das Gefüge auf dem Hof: Beide Söhne fühlen sich zu ihr hingezogen, und ein lang verdrängtes Familienschicksal kommt wieder ans Licht.

Besonders gefallen hat mir die atmosphärische, ruhige Sprache. Die karge, weite Landschaft Islands wird so lebendig, dass ich mich oft selbst dorthin versetzt fühlte. Für mich ist der Roman vor allem eine eindringliche Geschichte über Verlust, Traumatisierung, Fremdsein und die leise Suche nach einem Zuhause. Er zeigt die fragile Möglichkeit, irgendwo doch wieder Heimat zu finden, nicht zuletzt in sich selbst.

Katrin Zipse: Moosland
224 Seiten, gebunden
DUMONT Verlag
ISBN 978-3-7558-0071-2
Fr. 35.50