Carofiglio

Roman

BUCHTIPP ANDREA:

Carofiglio Gianrico, Der Horizont der Nacht

In seinem sechsten Fall stellt Gianrico Carofiglio seinen Anwalt Guido Guerrieri vor ein ebenso spannendes wie nachdenklich stimmendes Dilemma. In diesem Kriminalroman verlaufen zwei Erzählstränge: Im Gerichtssaal verteidigt Guerrieri eine Frau, die den gewalttätigen Freund ihrer Schwester erschossen hat, und ringt um die juristische Klärung von Schuld, Notwehr und Verantwortung. Parallel dazu begibt er sich in psychoanalytische Behandlung, um seine Vergangenheit, seine schwindende Motivation für den Anwaltsberuf und die Frage nach einem gelingenden Leben in der Mitte des Lebens zu hinterfragen.

Die Verbindung eines spannungsgeladenen Gerichtsverfahrens mit einer feinfühligen, introspektiven Suche nach Glück, Sinn und einem reifen Umgang mit inneren Konflikten macht „Der Horizont der Nacht“ zu weit mehr als einem klassischen Krimi: Der Roman lädt zum Nachdenken über komplexe ethische Fragen wie die Kluft zwischen Recht und Gerechtigkeit, Schuld und eine zunehmend narzisstisch geprägte Kultur ein. 

 

Der Autor Gianrico Carofiglio war Richter, Senator und Anti-Mafiastaatsanwalt in Apulien, was der Darstellung von Justiz, Verhören und Gerichtsatmosphäre spürbare Authentizität verleiht. 

Leserinnen und Leser, die intelligente Kriminalliteratur mit psychologischem Tiefgang suchen, finden in „Der Horizont der Nacht“ einen stillen, nachwirkenden Roman, der Spannung mit philosophischer Reflexion verbindet.

 

Auch ohne Vorkenntnisse ist der Band gut lesbar, denn die einzelnen Teile der Reihe um Anwalt Guerrieri sind in sich geschlossen.

 

Carofiglio: Der Horizont der Nacht
Übersetzung aus dem Italienischen von Verena von Koskull
272 Seiten, gebunden
Folio Verlag
ISBN 978-3-85256-926-0
Fr. 38.90